Journal 8. April 2026  ·  3 Min. Lesezeit Von Mattia Miglio, Gründer, The Nine Aurora

Die Geschichte hinter The Nine Aurora Identity

Editorial cover for The Nine Aurora's feature on the brand's visual identity

Im Gespräch mit Thomas Berloffa, Kreativdirektor

Eine Marke wie The Nine Aurora zu gestalten, bedeutet nicht, ein Logo oder eine Verpackung zu erstellen – es geht darum, ein System von Bedeutungen aufzubauen. Wir sprachen mit dem Kreativdirektor Thomas Berloffa über das Denken hinter der Identität, von der symbolischen Konstruktion des Logos bis zur Idee des „Entpackens“ und der Entwicklung einer funktionaleren digitalen Erfahrung.

 

Das Logo: Vom Lebenskreis bis zum Bruch der Innovation

Das Logo entwickelt sich von einem Kreis zu einer Neun. Was bedeutet diese Geste?

Der Ausgangspunkt war der Kreis – nicht als grafische Wahl, sondern als universelles Symbol. Der Kreis repräsentiert den Lebenszyklus, den Rhythmus des Mondes und die Idee der Kontinuität.Es spiegelt auch die Reise einer Frau durch verschiedene Phasen wider—Wachstum, Reife, Transformation, Erneuerung.

Aber was mich interessierte, war nicht der Zyklus selbst—es war der Moment, in dem man beschließt, darüber hinauszugehen.

Der Kreis wird also absichtlich durchbrochen. Aus diesem Bruch entsteht die Neun.

Die Neun trägt mehrere Bedeutungen. Sie repräsentiert die neun Schönheitszonen, aber auch etwas Intimeres—die Idee der Schöpfung. Neun Monate des Lebens, das sich formt, ein Körper, der sich entwickelt, etwas, das im Laufe der Zeit wächst.

Gleichzeitig beginnt die Form sich zu öffnen, fast wie eine Blüte. Keine wörtliche Blume, sondern eine Andeutung von Expansion—etwas Organisches, das aus einer Struktur hervorgeht.

Dieser Übergang—vom Kreis zur Neun, vom Geschlossenen zum Offenen—ist der Ort, an dem die Identität lebt.

Der Kreis repräsentiert das Leben.
Die Neun repräsentiert die Evolution.

Und die Unterbrechung zwischen ihnen repräsentiert Innovation—der Moment, in dem die Marke sich entscheidet, den Zyklus nicht zu folgen, sondern ihn neu zu definieren.

 

Die Farben: Zwischen Haut, Tiefe und Licht

Die Palette fühlt sich minimal, aber sehr absichtlich an. Wie haben Sie sie definiert?

Wir haben Farbe als ein emotionales System betrachtet, nicht als Dekoration.

Es gibt drei Grundtöne, die die Identität definieren. Ein Korallenton, der sich sehr nah an der Haut anfühlt—lebendig, warm, menschlich. Dann ein Violettton, der Tiefe und Introspektion einführt, etwas Intellektuelles und Ruhiges. Und schließlich ein Elfenbeinton, der Raum und Licht schafft.

Diese drei Elemente schaffen ein Gleichgewicht. Sie haben etwas sehr Physisches, etwas sehr Mentales und etwas sehr Reines.

Wichtig war Zurückhaltung. Wir wollten keine laute Palette.Wir wollten etwas, das kontrolliert wirkt, fast redaktionell – näher an der Sprache von Designmagazinen als an traditionellen Schönheitsmarken.

Farbe versucht hier nicht, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie versucht, Atmosphäre zu schaffen.

 

Verpackung: Von der Verpackung zum Auspacken

Die Verpackung fühlt sich unkonventionell an – fast wie „Auspacken“. Was war die Idee dahinter?

Genau. Die Idee war, Verpackungen nicht im traditionellen Sinne zu gestalten, sondern sie zu reduzieren.

Wir wollten alles entfernen, was unnötig ist, und uns auf das konzentrieren, was bleibt. Das Objekt wird zu etwas, das man behält, nicht zu etwas, das man wegwirft.

Gleichzeitig gibt es eine funktionale Ebene – die Nachfüllung. Aber wir wollten nicht, dass die Nachfüllung technisch oder kompliziert wirkt. Sie sollte sich natürlich anfühlen, fast wie ein Teil des Rituals.

Das Design ist also minimal, aber es lenkt auch das Verhalten. Es zeigt Ihnen, dass dies etwas ist, zu dem Sie zurückkehren, etwas, das Sie wiederverwenden.

In diesem Sinne geht es weniger um Nachhaltigkeit als Aussage, sondern mehr um Nachhaltigkeit als Gewohnheit.

Luxus heute bedeutet nicht Überfluss. Es geht um Präzision und Langlebigkeit.


Die visuelle Website-Identität: Tiefe gestalten ohne Lärm

Die Website fühlt sich mehr wie ein System als wie ein traditionelles E-Commerce-Erlebnis an. Wie sind Sie daran herangegangen?

Die Herausforderung bestand darin, Tiefe ohne Komplexität zu schaffen.

Es gibt viele Informationen—Zutaten, Routinen, Philosophie, Personalisierung—aber der Benutzer sollte sich niemals überwältigt fühlen. Daher haben wir es in Schichten gestaltet.

Die erste Schicht ist sehr ruhig—Typografie, Abstände, Bilder. Dann, wenn man tiefer geht, erhält man mehr Informationen, mehr Details, mehr Funktionalität.

Es geht darum, wie Informationen im Laufe der Zeit erscheinen.

Wir wollten keine Website, die einfach Produkte verkauft. Wir wollten einen Raum, der erklärt, der führt, der eine langfristige Beziehung unterstützt.

Aus einer Designperspektive bedeutet das, dass Klarheit alles ist. Wenn das System klar ist, kann man Tiefe hinzufügen, ohne Lärm zu erzeugen.

Ein System, Nicht Nur Eine Marke

Für Thomas Berloffa wird The Nine Aurora nicht durch ein einzelnes Element definiert, sondern durch die Kohärenz zwischen all diesen.

„Es geht nicht darum, ein Logo, ein Paket oder eine Website zu gestalten“, erklärt er.
„Es geht darum, wie all diese Elemente miteinander kommunizieren.“

Vom Kreis, der zu einer Neun wird, über eine Palette, die Wärme und Zurückhaltung ausbalanciert, bis hin zu Objekten, die behalten und nicht weggeworfen werden, und einer digitalen Erfahrung, die sich im Laufe der Zeit entfaltet – die Identität wird als System aufgebaut.

Eine, die die gleiche Idee auf jeder Ebene widerspiegelt:

Schönheit ist nicht sofort – sie ist etwas, das sich entwickelt.

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